Sonntag, 18. Mai 2008 at 14:08
Der Magier sah mich an und schwieg. Langsam stand er auf, öffnete die Tür des Zugabteils und verschwand im selben Augenblick. Da saß ich und blickte verwirrt auf den versiegelten Briefumschlag in meinen Händen …
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Vorsichtig strich ich darüber. Ich fragte mich, was wohl in dem Brief stehen mochte. Ich wollte ihn aufmachen, aber genau in diesem Moment hielt der Zug an und eine Durchsage verriet mir, dass wir in Canterville angekommen waren. Ich sollte hier in ein Ferienlager gehen, denn meine Eltern fuhren in die Toskana. Ich stieg also aus dem Zug. Komisch, ich sah gar keinen, der so aussah als ob er in ein Ferienlager wollte. Also setzte ich mich erstmal auf eine Bank an dem Bahnhof. Mir fiel wieder der Brief ein, und ich zog ihn vorsichtig aus meinem Rucksack. Erneut strich ich darüber. Wie geheimnisvoll er aussah! Nun wurde es aber höchste Zeit, den Brief zu öffnen. Ich nahm mein Taschenmesser und schlitzte oben auf. Langsam faltete ich ihn auseinander und fing an zu lesen; es war ein sehr kurzes, aber klares Schreiben:
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„Lieber Rob,
lange mussten wir warten, um Dir diesen Brief geben zu können. Denn Du bist der Auserwählte für das magische Land, unser Land. Du must uns befreien! Du must die Blume Minkanis pflücken, die nur einmal im Jahr und zwar am 7. August bei Vollmond blüht.“ Ich stutzte. 7. August? Das war ja schon heute! Verwundert las ich weiter: „ Diese Blume must du zu einem ganz besonderen Ort bringen, der magischen Ruine. Keine Sorge, wenn Du die Blume hast, ist der Weg zu der magischen Ruine ein Kinderspiel! Danach must Du nach eine Aufgabe bestehen, und unser Land ist gerettet. Wir warten auf Dich, Rob! Hoffentlich bis bald,
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                                              der magische Rat von Mingana“
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Ich sah auf. Hatte ich nicht gerade meinen Namen gehört? Vor mir stand ein dicker, kleiner Mann und fragt mich: “ Bist du Rob Spencer? Wir suchen dich! Es ist Abend, und wir hatten plötzlich bemerkt, dass du fehlst, da mussten wir dich suchen. Komm jetzt mit!“ Langsam trottete ich hinter dem kleinen Kerl her.
Nach einiger Zeit kamen wir an einer großen Wiese an, auf der schon viele Zelte standen . „Du teilst dein Zelt mit Nick Tailor und Ruby Wick! Viel Spaß noch !“ rief mir der Mann noch zu, dann verschwand er in einem großen Zelt auf dem „Zutritt verboten“ stand. Ich ging auf ein kleines Zelt zu, vor dem ein Junge stand. „Hallo,“ sagte ich, „ich bin Rob, weißt du, wo ich einen gewissen Nick Tailor finde?“ Der Junge lachte: “Nick Tailor, das bin ich!“ Ich fand Nick auf Anhieb sympatisch und Ruby, die danach auch noch kam, auch.
Nach dem Abendessen lagen wir in unserem Zelt und sollten eigentlich schlafen. Doch ich konnte nicht. Ich überlegte lang hin und her, dann setzte ich mich abrupt auf und flüsterte: “Nick, Ruby! Ich brauche eure Hilfe! Wir müssen zusammen Mingane, das magische Land retten, das geht nur heute! Bitte helft mir, eine bestimmte Blume zu finden!“ Nun war es raus. Ruby und Nick sahen mich erstaunt an. Doch dann sprangen sie unerwartet auf, zogen sich an und riefen: “Also los!“ Ich lächelte. Ich hatte es gewusst. Sie würden mich nicht im Stich lassen! Ruby packte noch den Rucksack, dann schlichen wir aus dem Lager. „Und wo soll diese Blume jetzt sein?“ fragte Ruby Nick und mich, als wir im nahen Wald angekommen waren. Das wussten wir natürlich nicht. Ich sah mich um. Da entdeckte ich plötzlich ein blaues Funkeln. Sofort lief ich hin. Ich sah eine wunderschöne, blau funkelnde Blume. „Seht mal!“ rief ich meinen Freunden zu, „ich glaube, ich hab sie.“ Ruby und Nick kamen natürlich sofort angerannt. Inzwischen hatte ich die Blume abgerissen und hielt sie hoch. „Jetzt müssen wir nur noch die magische Ruine finden,“ triumphierte ich. „Na dann los!“
Wir machten uns auf den Weg. Zum Glück hatte Ruby in ihrem Rucksack auch eine Landkarte dabei. Deshalb waren wir schon nach 10 Minuten bei der Ruine angelangt. „Und jetzt?“ fragte Nick. Wo sollten wir die Blume bloß hinlegen? Diesmal war es schon etwas schwieriger. Doch da sah Ruby einen Blumentopf. „Na klar!“ rief sie. Dann nahm sie die Blume und lief zu dem Blumentopf. Dort setzte sie die Blume ein. Einen Moment geschah nichts. Doch dann erschien ein Licht, so grell, dass wir die Augen schließen mussten. Ich ging als erster darauf zu. Und plötzlich war ich von Blumen und Bäumen umringt. Mir war, als wäre ich im Paradies. Da tauchten auch Nick und Ruby neben mir auf. Staunend gingen wir durch eine Art Wald. Nun kamen wir an ein Feld, auf dem ein riesiger Baum stand. Wir wollten schon fast vorbeigehen, da hörten wir, wie er zu uns sprach: “Hört, erntet alle meine Früchte und verteilt sie in Mingana. Dann habt ihr eure Aufgabe erfüllt.“ Nick, der sportlichste von uns dreien, fing sofort an, auf den Baum zu klettern. Als er oben angekommen war, schüttelte er jeden Ast und wir fingen die Früchte, die herunterfielen in Körben auf, die neben dem Baum gestanden waren. Als alle Früchte geerntet waren, gingen wir zusammen mit der Ernte weiter. Nach einiger Zeit hörte die schöne Landschaft auf, und wir kamen an ein graues Stadttor. Vorsichtig klopfte ich daran. Kurze Zeit später schaute ein Kopf heraus, der uns mürrisch fragte: “Was wollt ihr hier ?„ Wir, äh, haben eine Lieferung für die Stadt Mingana. Sind wir hier richtig?“ fragte Ruby. Der Mann öffnete nun das Tor und ließ uns herein.“Zum König geht’s da lang“, sagte er nur und zeigte Richtung Norden. Dann verschwand er. Wir gingen also zum König. Als wir uns auf dem Weg umsahen, fanden wir nur graue Häuser. Es sah sehr trostlos aus. Als wir bei dem Königschloss angekommen waren, konnten wir einfach so eintreten, denn es war nicht verschlossen. Wir gingen durch eine Tür, die in den Thronsaal führte. Dort saß ein alter Mann, der weinte und weinte. „Äh“, machte ich uns bemerkbar, „wir haben hier etwas für sie“. Wir brachten dem König die Früchte. Sofort hörte der König auf zu weinen und lachte sogar. „Retter, oh endlich seid ihr hier! Kommt, lasst uns schnell die Früchte verteilen!“ Damit nahm der König einen der Körbe und öffnete die Balkontür. „Leute, rief er, hört her, unsere Retter sind hier, esst die heiligen Früchte und wir sind befreit!“ Da liefen Tausende von Leuten unter das Schloss und wir warfen die Früchte hinunter. Langsam nahm alles wieder Farbe an und es sah aus wie im Paradies. „Retter, was sollen wir für euch tun, als Lohn dafür, dass ihr uns befreit habt?“ fragte der König. „Eigentlich“, sagte ich und sah meine Freunde an, „eigentlich wollen wir nur wieder in unser Ferienlager zurück!“ „Euer Wunsch sei uns Befehl!“ rief der König und schon lagen wir wieder in unserem Zelt und hielten alle einen kleinen Stein in der Hand, auf dem „Mingana“ stand. Nun wusste ich, dass dieses Ferienlager das Aufregendste war, das ich je erlebt habe. Und außerdem hatte ich auch noch zwei neue und beste Freunde kennengelernt. Vielleicht erleben wir drei ja bald noch ein Abenteuer in Mingana. Wer weiß?